• 1.jpg
  • 2.jpg
  • 3.jpg
  • 4.jpg

Eugenzeche erwacht zu neuem Leben

von Eckhard Richter

Mitten im Niedermohrer Wald graben Männer einen Eingang frei. Schon nach kurzer Zeit wird ein Stollen sichtbar. Mit der Taschenlampe bewaffnet und die Ungewißheit im Gepäck betreten sie das dunkle Loch. Nach wenigen Metern öffnet sich der schmale Eingang. Die Männer stehen in einem kleinen Vorraum. Ab hier führen drei Wege weiter.

Das Licht der Taschenlampe trifft die Decke. Steinbrocken drücken sich fest ineinander und sehen gespenstisch aus. Teilweise hängen Wurzeln aus den Rissen. Eine dicke, alte Wurzel hat sich den Weg von der Erdoberfläche durch das Gestein in den Stollen gebahnt. An ihr hängen kleine Wassertropfen. Kristallklar glitzern sie im Licht der Taschenlampe. Es ist kühl, 14 Grad. Der Weg links ist verschüttet. Es hat aber nicht den Anschein, daß er eingebrochen ist. Der zweite Stollen ist begehbar, schulterbreit und etwa 160 Zentimeter hoch. Kleine Wassertropfen auch hier an den Felsbrocken. Die Männer gehen weiter und stellen nach etwa 25 Metern fest: Stollenende. Deutlich sichtbar, daß hier aufgehört worden ist zu graben. An der Decke Kalkablagerungen, die sich im Laufe der Jahre zu kleinen Stalaktiten, Abtropfsteinen geformt haben.

Die engen Wände des Stollens schlucken die Worte der Männer. Das Thermometer zeigt 11 Grad an. Über Tage scheint die Sonne und das Quecksilber dort tummelt sich an der 30 Grad Grenze. "Vorsicht Kopf", einer der Höhlenforscher zieht den Kopf ein. Beinahe hätte er den Steinvorsprung übersehen. Der Weg geht zurück zum Vorraum.

Ungewiß noch das lnnenleben des dritten Ganges. Geröll begleitet die ersten Schritte, dann wird der Boden lehmig. Die Stiefel knatschen - bleiben fast am Boden kleben. Dieser Gang ist breiter und höher. Zwei Männer passen teilweise nebeneinander. Auch hier wieder viele kleine Stalaktiten und... die ersten Hohlenbewohner. Verschlafen blicken sie ins Licht der Taschenlampe: Schnaken, In der Höhle ist es kühl, ein Grund für sie, der Oberflächenhitze zu entfliehen. Die Männer gehen weiter. Der Stollen wird kleiner. Bücken ist angesagt. lm lehmigen Boden bilden sich zuerst kleine Pfützen. Jetzt nach 35 Metern steht das Wasser im Stollen.

Nach einer kleinen Biegung endet dei Weg. 40 Meter sind erreicht. Lehmige Schichten an der Decke, zwischen den Steinbrocken lassen Wasser tropfenweise durch. Ein heller Klang entsteht bei jedem Tropfen, der in die braune, lehmige Brühe aufschlägt.

Die Männer drehen um und verlassen die Stollenanlage.

"Jeder weiß über die Erzgruben in unserer Gemarkung etwas anderes zu erzählen. Glaubt man den vielen Geschichten, so befinden sich um ganz Niedermohr zahlreiche Tunnelanlagen", so Bürgermeister Karl Wolf. Er hatte zusammen mit einigen Helfern den Eingang der Kupfererzgrube "Eugenzeche" freigeschaufelt. Waren doch immer wieder Kinder durch das Fuchsloch geschlüpft und hatten sich in den Stollen versteckt.

Die Gefahr wurde zu groß und so entschlossen sich Markus Lutz und Karl Wolf den Eingang freizulegen und eine Tür vorzusetzen.

"Wir wollen noch den zugeschütteten Gang freilegen um zu sehen, wo er hinführt. Prof. Jakobi vom Geologischen Institut Mainz hat uns seine Unterstützung zugesagt. Er will die Tunnelanlage mit einer Gruppe Studenten besichtigen", so Karl Wolf.

Wenn die Sicherheit es zuläßt, soll die ganze Anlage auch für "Sonntags-Stollenforscher" und besonders den Kindern zugänglich gemacht werden, so Wolf.

Im Grundbuch erwähnt wird die "Eugen-Zeche" mit einer Verleihungsurkunde vom 8. August 1908. Hier heißt es: "Eugen-Zeche" verliehen auf Kupfererze mit 200 ha Feldesgröße in den Steuergemeinden Niedermohr, Nanzweiler und Nanzdietschweiler.

Wie aus Erzählungen bekannt ist, soll der Kupferanteil der Zechen rund um Niedermohr bei 15 Prozent gelegen haben. Besichtigt man die Stollen, vergleicht Arbeitskraft mit Gewinn und Ertrag, so fällt einem nur noch ein Wort ein: Knochenarbeit.

Besichtigung Eugenzeche:

Nach Vereinbarung mit Ortsbürgermeister Karl Wolf (Tel. 06383 / 7907) oder hinterlassen Sie Ihre Anschrift und wir laden Sie zur nächsten Führung ein!