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Die kath. Pfarrkirche in Kirchmohr

von Gregor Stein

"Droben stehet die Kapelle
schauet still ins Tal hinab,
drunten singt bei Wies und Quelle
froh und hell der Hirtenknab"

Diese Zeilen eines Gedichtes von Ludwig Uhland könnten die Lage der Kirche in Kirchmohr auf dem Kirchenhugel, dem früheren Harrenberg, bezeichnen. Die kirchlichen Verhältnisse der älteren Zeit sind recht unklar. Legenden, bestenfalls Vermutungen ranken sich um diese Örtlichkeit.

Als Obermohr 1987 seine Tausendjahrfeier beging, berief man sich auf einen Quellentext aus dem Jahre 987. Damals schenkte der fränkische Herzog Otto dem Benediktinerkloster St. Lambrecht im Dorf Moraha eine Kapelle, ein Hofgut etc.

Sehr wahrscheinlich ist unter Moraha das gesamte Siedlungsgebiet am unteren Mohrbach zu verstehen. Die Unterscheidungen in Obermohr, Nyeder More und Kirchmohr wurden erst seit dem 14. Jh. verwendet. Jedenfalls beweist diese Schenkung. daß um das Jahr 1000 bereits am unteren Mohrbach kirchliches Leben pulsierte. Die Kirche in Kirchmohr wird 1219 zum erstenmal erwähnt. lm Jahre 1379 wurde von den Rittern der Deutschordenskommende Einsiedel ein gotischer Neubau errichtet, wobei der romantische Turm der Vorgängerkirche erhalten blieb. Die Deutschherrn weihten die Kirche St. Georg, dem Schutzpatron ihres Ordens. Wie eine Quelle des Jahres 1393 ausweist, lag das Gotteshaus in der damals ausgedehnten Pfarrei Deinsberg (heute: Theisbergstegen). Neben dem Pfarrort Deinsberg umfaßte sie die Orte Rutsweiler, Mühlbach, Friedelhausen, Bosenbach, Staufenbach, Neunkirchen a. Potzberg, Bettenhausen, Reichardsweiler (rechts vom Glan gelegener Ortsteil von Rehweiler), Matzenbach und Gimsbach.

Die Seelsorge wurde durch eingestreute Filialkirchen z. B. die Wolfskirche bei Bosenbach, die Kapelle in Neunkirchen und die Kirche in Mohr erleichtert.

Nach dem Pfarrkompetenzbuch des Jahres 1600, also kurz vor dem 30-jährigen Krieg, erweist sich, daß Niedermohr als eine eigene Pfarrei eingerichtet wurde. "Die Phar Niedermohr“ umfaßt die Dörfer Niedermohr, Obermohr, Schrodelbach (Schrollbach) und Nanzdietzweiler (Ortsteil von Nanzdietschweiler) mit insgesamt 30 Herdstätten und etwa 150 Einwohnern". Auch über die Baupflichten an Kirche und Pfarrhaus finden wir dort genaue Angaben: "Die Deutschherrn haben für die Unterhaltung des Kircheschiffes zu sorgen, der Pfarrer von Deinsberg ist für den Chor und die Innenausstattung zuständig."

Der in der Quelle verwendete Begriff "presbilerium" weist die Pfarrei eindeutig als reformierte Pfarrei aus. Während der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg 1618 - 1648 verarmten die Deutschherren so sehr, daß sie ihre Baupflichten nicht mehr erfüllen konnten. So kam es, daß das vernachlässigte Kirchenschiff größten Schaden nahm.

Der Dreißigjährige Krieg brachte unserer Heimat Verwüstung, unsägliches Elend und fast vollständige Entvölkerung. Als die kurfürstliche Regierung 1656 Bestandsaufnahme machte, um die Steuerpflichtigen zu erfassen, fand die Schatzkommission in Niedermohr gerade 4 Familien.

Obermohr, Schrollbach und Nanzdietzweiler lagen noch wüst und menschenleer.

Bei der Schätzung des Jahres 1684 hatte sich die Lage bereits leicht gebessert. In Obermohr wohnten jetzt fünf, in Niedermohr neun und in Schrollbach vier Familien. In Nanzdietzweiler hatte sich nicht ein einziger Neusiedler niedergelassen. Der Pfarrbezirk hatte aber 2/3 seiner Vorkriegsbevölkerung.

Die kirchlichen Verhältnisse waren im 17. Jh. ziemlich verworren. Die Katholiken der früheren Pfarrei Niedermohr gehörten zu der 1692 neugegründeten Pfarrei Ramstein, bevorzugten aber zum Besuch des Gottesdienstes den kürzeren Weg nach Glan-Münchweiler.

Kirchmohr scheint 1684 wieder instandgesetzt worden zu sein. Sie war jetzt Simultankirche (Katholiken und Reformierte benutzten die Kirche gemeinsam für ihre Gottesdienste). Durch die unter Kurfürst Johann Wilhelm angeordnete Kirchenteilung fiel sie 1707 den Katholiken zu.

"1750 war Kirchmohr dank der Vorsehung Gottes und dem Seeleneifer eines Niedermohrer Bürgers, namens Türpin, der sich sowohl beim geistlichen Vikariat in Worms, als auch bei Kurfürst Carl Theodor persönlich für dieses Ziel einsetzte, wieder katholische Pfarrei", wie der damalige Pfarrer Ludwig Thum im Kirchenbuch festhielt.

Die neue Pfarrei zahlt 397 Katholiken, 119 in Obermohr, 135 in Reuschbach, 9 in Kirchmohr, 58 in Niedermohr, 45 in Schrollbach und 31 in Nanzdietzweiler. Die Kirche in Kirchmohr, damals Heckenkirche genannt, war verwahrlost und bedurfte dringender Reparatur.

Pfarrer Daniel Chelius, in Kirchmohr 1761 - 1785, ging an die Erneuerung der Kirche. Das Schiff wurde vom Turm aus nach Westen um etwa 10 m verlängert und um 2 m erhöht. Der Pfarrer von Theisbergstegen ließ das Dach und das Innere des Chores ausbessern und 18 neue Kirchenstühle einstellen.

Nach jahrhundertelanger Zugehörigkeit zum Vikariat Worms kommt Kirchmohr 1817 zum neugeschaffenen Bistum Speyer und wird wieder vollgültige Pfarrei.

1803 wurde Obermohr von der Pfarrei Kirchmohr abgetrennt und selbständige Pfarrei.

Pfarrer Martin Jäger, 1885 - 1893, gibt unter seinem Pseudonym "Fritz Claus" in Kirchmohr sein zweites Bändchen "Gedichte und Sagen" heraus. Er gründete einen Orgelbauverein und den Cäcilienverein. Die Orgel wurde bereits 1890 feierlich eingeweiht.

Pfarrer Ludwig Schranz, 1901 - 1914, konnte 1912 die Kirche auf ihr doppeltes Fassungsvermögen erweitern.

In jüngster Zeit haben die Pfarrer die bauliche Substanz der Kirche gepflegt. Innen- und Außenrenovierungen tragen dazu bei, daß die Kirche trotz ihres Alters gutin unsere Zeit paßt.

Der alte Friedhof rund um die Kirche war über die Jahrhunderte ein Simultanfriedhof. Etwa seit 1900 entstanden in allen Ortsteilen neue Friedhöfe, zuletzt wurde 1983 in Niedermohr ein großer, neuer Friedhof gesegnet.

Die Schlußstrophe des anfangs erwähnten Gedichts ist also, was die Kirchmohrer Kirche betrifft überholt.

"Droben bringt man die zu Grabe,
die sich freuten in dem Tal
Hirtenknabe, Hirtenknabe,
dir auch singt man dort einmal !"

Ereignisjahr

Beschreibung

Jubiläumsjahr / Zeitraum

987

Siedlung Moraha / mit Kapellchen

1987 / 1000 Jahre

1219

Kirche zu Kirchmohr

1999 / 780 Jahre

1379

Neubau / Anbau

1999 / 620 Jahre

1600

Kompetenzbuch "simultan"

2000 / 400 Jahre

21. November 1705

Religionsdeklaration des Kurfürsten Johann Wilhelm. Nach der durchgeführten Kirchenteilung "Rijswyker Frieden" wurden aus dem Distriloten von 7 Kirchen jeweils 5 den Protestanten und 2 den Katholiken zugewiesen.

 

1749

Kath. Gotteshaus

1999 / 250 Jahre

1761-1783

baufällige Kirche wird renoviert

 

24 Februar 1885

Pf. Johann Martin Jäger

Dichtername Fritz Claus

1985 / 100 Jahre

1911 / 1912

Umbau