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Zur Geschichte des St. Paulus Stiftes Kirchmohr

Neben der alten, in ihrem Ursprung mittelalterlichen Pfarrkirche von Kirchmohr befand sich jahrhundertelang ein großer Gutshof, der Kirchmohrerhof, der lange Zeit von der Familie Stuppy bewirtschaftet wurde. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts richtete die Familie Bold, zum Leidwesen der katholischen Geistlichen, hier eine Gastwirtschaft ein. Der Pfarrer von Kirchmohr klagte oft über den Lärm junger Niedermohrer Leute, die aus dem Gasthaus kamen. Schließlich veräußerte die Familie Bold ihr Anwesen, bestehend aus Wohnhaus, Stall und Scheune, in den 1870er Jahren an das Waisenhaus in Landstuhl. Das Ackerland wurde fortan von vier bis fünf Schwestern und einem Knecht bewirtschaft. Nachdem die Schwestern mit Pfarrer Huhnen in Streit geraten waren, wurden sie abberufen und der Hof dem vormaligen Knecht Johann Stolz aus Schrollbach als Pächter überlassen. Dieser betrieb hier eine sehr gute Landwirtschaft und zeichnete sich vor allem als erfolgreicher Viehzüchter aus.

Auf Vorschlag von Pfarrer Martin Jäger sollte hier eine Anstalt für geistig behinderte Kinder errichtet werden. 1888 wurde zu diesem Zweck das Wohnhaus aufgestockt und ein neues zweistöckiges Gebäude angebaut. Bald nach Fertigstellung zogen 1889 die ersten Bewohner ein, 23 Kinder und sechs Schwestern. Das Stift wurde dem Heiligen Antonius geweiht. Das Waisenhaus Landstuhl gab das Heim in Kirchmohr 1901/02 auf und verkaufte das Anwesen für 15.000 Mark an die Pfarrei Kirchmohr. Vorübergehend diente es in den folgenden Jahren als Pfarrhaus.

1908 erfolgt erneut ein Besitzwechsel. Das St. Paulus-Stift in Herxheim bei Landau kaufte Haus und Ländereien für 16.000 Mark und sandte Schwestern nach Kirchmohr. Sie übernahmen in der Folgezeit die Krankenpflege in Niedermohr, Reuschbach, Schrollbach, Nanzdiezweiler und Bettenhausen, gründeten eine Handarbeitsschule, richteten einen Kindergarten ein und besorgten den Sakristei- und Kirchendienst. Daneben führten sie den landwirtschaftlichen Betrieb weiter.

Im Ersten Weltkrieg befand sich hier ein Kriegslazarett. Danach bot das Stift Kriegerwitwen und älteren Frauen eine Bleibe. 1921 wurden 40 Patientinnen der Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal hier untergebracht. Damals wurde auch eine Hauskapelle hier eingerichtet. 1937 fand der von den Nationalsozialisten verfolgte Geistliche Rat Weidenbörner, ein Priester aus der Diözese Würzburg, Aufnahme im St. Paulus-Stift. Aus Mangel an Nachwuchs mußten die Schwestern die ambulante
Krankenpflege 1966 aufgeben. 1984 wurde das St. Paulus-Stift Kirchmohr als Heim für geistig- und körperbehinderte Frauen und Mädchen aus Personalmangel aufgelöst und die Schwestern von Pfarrer Lendle mit einem Dank für ihre aufopferungsvolle, segensreiche Arbeit verabschiedet.

Der gesamte Besitz des St.Paulus-Stifts wurde 1984 an die Fa. Geib in Landstuhl verkauft, die die Gebäude in den folgenden beiden Jahren zum Hotel "St. Paulus-Hof" umbaute. Der Hotelbetrieb wurde Anfang der neunziger Jahre aufgegeben. Der folgende Besitzer schuf hier dann eine Unterkunft für Asylsuchende, konnte das Anwesen jedoch nicht halten. Im Zuge der Zwangsversteigerung gelangte es
1996 in den Besitz der Volksbank Glan-Münchweiler, die den St. Paulus-Hof 2002 an Luigi und Franca Crispino veräußerte.

Zusammengestellt von Jakob Lill und Roland Paul unter Berücksichtigung einer Veröffentlichung von Gregor Stein (+) mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit.

Der Förderkreis Heimatmuseum der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach